Langleys blühende Fantasien

Wilde heimische Natur


Wer hat noch nicht einmal ein Auge auf „wilde“, artenreich und lebendig angelegte Naturgärten geworfen. So einen, wie den von Anke Clark vielleicht, den wir in dieser LandGang zeigen. JA!!!!! So sollte eigentlich auch mal der eigene Garten aussehen! Schön und vor allem pflegeleicht. Sozusagen: „Schön pflegeleicht.“ Dann wäre es endlich vorbei mit dem ewigen Grubbern, mühsamen Jäten, aufwendigen Häckseln, kraftvollen Graben, anstrengenden Harken und dem ständigen Gießen?

 

Nein!!!!! So schnell und unkompliziert wird die ersehnte Rückkehr ins blühende Garten-Paradies leider nicht zustande kommen. Ein perfekter Naturgarten hat auch seine gärtnerischen Regeln, die hier und da beachtet werden sollten. Wobei etwas Geduld und Wahrnehmung im Umgang mit der Natur schon als wesentliche Grundlage verstanden werden könnten. Und genau da fängt das Problem für viele Menschen an. Die Gelassenheit bleibt in unserer heutigen hektischen Zeit - auch beim Gärtnern – oft auf der Strecke. Auch mir fällt es nicht immer leicht, geduldig und ruhig zu bleiben, wenn sich wieder und wieder unerwünschte „Spontan-Botanik“ zeigt, dann wird auch mein Geduldsfaden immer dünner. Natürlich weiß ich aus beruflicher Sicht, je weniger der Mensch gärtnerisch oder gestalterisch in sein Refugium eingreift, desto stärker, schneller verändert sich die Natur.

 

Einfach mal was liegen und stehen lassen - Eine grundsätzliche Umstellung des Garten bedeutet eine andere Denke und ein anderes Zeitmanagement. Natürlich muss zunächst besonders in den ersten Monaten etwas intensiver gearbeitet und gezupft werden, um das unerwünschte Wildkraut zwischen den Stauden, Gehölzen oder Steinen zu beseitigen. Und wenn man weiß, dass so manche Pflanze in nährstoffreichem Gartenboden zum wahren Unkraut mutiert, macht es Sinn sich darauf mental einzustellen. Mit der Zeit wird diese erste Mehrarbeit an Handarbeit von Natur aus überflüssig, da die erwünschten Wildstauden sich schnell gegenüber der oft unerwünschten „Spontanbotanik“ durchsetzen.

 

Wer in den nächsten Wochen oberirdisch in seinem herbstlichen Refugium bewusst Verdorrtes und Verrottendes einfach mal stehen oder liegen lässt, sorgt damit ganz natürlich für wichtige Nährstoffe im Kreislauf der Natur. Wer bisher gedacht hat, dass Ordnung im Garten das halbe Leben ist, muss wissen, dass auch in der intakten Pflanzensoziologie (Lebensbereichen) Perfektionismus, aber auch Chaos keine Chance haben sollten. Besser ist es etwas spontaner wachsen, blühen und gedeihen zu lassen, nur dann erlebt man schnell die attraktiven Überraschungen der heimischen Flora. Damit verbunden wächst natürlich auch die Begeisterung für das Gärtnern.

 

Auf den Blickwinkel kommt es an - Was von dem einen Gartenfreund als schön, abwechslungsreich und nützlich empfunden wird, kann für den anderen bereits eine Kampfansage sein. Unter dem Grundgedanken: „Hier herrscht Ordnung" werden und wurden viele Gärten angelegt und gestaltet. Der Rasen darf höchstens noch 1 cm hoch werden. Bäume oder Sträucher, möglichst in blaugrün gehalten. Und Koniferen wie Thuja- oder Zypressenarten begrenzen - akkurat geschnitten - das eigene Paradies. Was fehlt möglicherweise hier? Der unumgängliche Lebensraum für Wildblumen, Kleintiere und die Vogelwelt.

 

Langlebig blühend schön - Ist denn nur ein blühender aufgeräumter Garten ein schöner Garten? Und was ist Schönheit? Da gibt es auch die „Schönheit auf den zweiten Blick". Gemeint ist damit: Die Natur wächst sich schon von ganz allein zurecht. Lust für einem Versuch? Dafür reicht schon eine Rasenfläche. Mittendrin könnte eine ausgesäte, langjährige eingewachsene Wildstaudenpflanzung entstehen. Diese benötigt keine zusätzlichen Düngergaben und muss auch viel seltener gegossen werden als der Rasen, da die Bodenfeuchtigkeit für das Wachstum völlig ausreicht. Und nicht nur das. Auch auf oft teuren Pflanzenschutz oder Insektenvernichtungsmittel kann 100%ig verzichtet werden. Und weil sich die einzelnen Arten sogar noch selbst aussäen, bleibt diese wilde Natur unverwüstlich.

 

Wer sich über violetten Kuckucks-Lichtnelken, die Schneeweiße Hainsimse, den gelben Kleinköpfiger Pippau, unterschiedliche Habichtskraut-Arten oder leuchtende Hahnenfuße freut kann inzwischen auf eine große Auswahl an heimischer Saat zurückgreifen. Es sind mittlerweile mehr als 400 Wildarten für standortgerechte Saatgutmischungen erhältlich. Ein Blick auf das Saattütenangebot zeigt, das blühende Landschaften aus weißen Margeriten, roter Lichtnelke, violettem Salbei, rotem Mohn, gelben Wolfsmilcharten auch im eigenem Garten entstehen können. Ein blühendes Eldorado für Schmetterlinge und Wildbienen. Wer seinen Standort und Boden kennt, und die freie Fläche im Rasen von störenden Wurzelunkräutern nachhaltig befreit hat - kann mit der Aussaat beginnen. Hier und da keimt bei feuchter Witterung bereits nach 2 bis 3 Wochen die Aussaat. Oft ist eine Vegetationsperiode notwendig und die Saat keimt erst im kommenden Frühjahr. Wenn möglich, dann ist ein Pflegeschnitt (Schröpfschnitt) nach ca. 8 bis 10 Wochen in 5 cm Höhe erforderlich, weil dadurch die Unkrautbekämpfung erleichtert wird und den Wuchs der gewählten Aussaat entscheidend fördert. Die einzelnen Arten säen sich immer wieder neu aus und bleiben auf diese Weise vital. Nun aber, man sieht es überall, werden Fruchtstände und Gräserkolben nicht einfach im Herbst abgeschnitten, sondern bleiben den Winter über stehen, als farbloses Glück der Vergänglichkeit.

 

Herbstzeit ist Pflanzzeit - Will man besonders viele Schmetterlingsarten in seinem Garten beobachten, sät man beispielsweise im nächsten Jahr bunte Zinnien aus oder pflanzt im Herbst ein oder zwei Sträucher des Sommerflieders (Buddleja davidii). Dieser Zierstrauch blüht in Rispen von Juli bis September sehr reichhaltig in lila, rosa, blau oder purpur. Der eine oder andere ist ganz wild auf Rosen. Wer einem vollsonnigen, windgeschützten Standort hat, sollte sich für Wildrosen entscheiden. Sie wachsen (wirklich pflegeleicht) ohne jegliches Zutun. Auch das Anhäufeln und jegliche Düngemaßnahmen entfallen. Die heimische Wildrose Rosa canina, die gemeine Hecken- oder Hundsrose ist wegen ihrer schönen Wuchsform und ihrer Blütenfülle sehr beliebt. Kleinere und buschig wachsende Wildrosen wie Rosa nitida (Glanzrose) und auch Rosa rugosa (Kartoffelrose) werden dagegen fast immer an Böschungen oder als bodenbedeckende Rosen verwendet. Wegen ihrer schönen und sehr langen Blüte sind schließlich auch zahlreiche außereuropäische, insbesondere fernöstliche Wildrosenarten wie z.B. die Rosa hugonis (chinesische Goldrute) oder die Rosa multiflora (vielblütige Rose) eine Bereicherung für den wilden Garten. Über diese Auswahl hinaus sollte man Salweide, Brombeere, Himbeere, Hainbuche, Berberitze, Gagelstrauch, Trauben- und Schwarzen Holunder sowie den Wolligen und Gemeinen Schneeball nicht vergessen.

 

Ein Garten ist nicht Kunst und nicht Natur, er ist ein spannungsvolles Dazwischen. Nie weiß der Gartenfreund, ob er es ist, der seinen Flecken Erde beherrscht. Oder doch umgekehrt.

 

Gartenbotschafter John Langley


Wilde heimische Natur