Langleys blühende Fantasien

Ran an den Rasen


Wer vermutet, dass die gute alte Eisenharke und der legendäre Federbesen total ausreichen, um die Rasenpflege in den Griff zu bekommen, liegt – wenn man der Werbung glaubt – weit daneben. Auch auf dem Rasen wird zunehmend technisiert gezupft, gesaugt, getrimmt, geschnitten, geglättet, geblasen und geputzt. Der Gartenmarkt boomt, wenn es um den Rasen geht. Handarbeit, womöglich noch mit der Nagelschere den Rasen trimmen? Nein danke! Zeit sparen durch Technik ist die Devise. Mit dem richtigen Profigerät lässt sich das flache Schnittgrün schneller, gründlicher aufsaugen, abtrennen und zerkleinern. Der Einsatz mit Rechen und Schubkarre ist vorbei. Und so ganz nebenbei schnurrt hier und da auch in norddeutschen Gärten bereits der computerunterstützte Mähroboter geräuscharm übers Grün und sorgt Halm für Halm für einen kurzen Prozess.

 

Freizeit oder Freischneider? - Eine einfache Entscheidung, denn besonders leichte, abgasarme um 360 Grad drehbare Freischneider mit Micro-4-Takt-Motor leisten hier gute Arbeit. Sie schweben nur so durch den Garten. Selbst Akku-Mäher mit komfortablem Handling oder Recycle-Cutter mit Fangkorb sorgen so ganz nebenbei für Makellosigkeit auf der grünen Fläche. Da freut sich die Green-Fun-Generation und wartet sehnsüchtig darauf, dass das dunkle Jahresquartal vorbei ist und der scheinbar noch regungslose Rasen endlich wieder frisch erwacht, um loslegen zu können. Doch bevor die ersten jungen Grashalme sprießen und sich zum Licht strecken, gewinnt das ungeliebte Moos im Rasen den Wettlauf mit der Natur. Verständlich, Rasen sprießt erst bei 8°C Bodentemperatur und Moos bereits bei 5°C und bestimmt dadurch den ersten dominierenden Eindruck.

 

Ohne Moos nix los - Moos ist fast immer an feuchten, schattigen Bereichen oder bei anhaltender Nährstoffarmut, ungenügendem Wasserabzug, verdichteten Boden und/oder bei einem sauren ph-Wert im Erdboden vorhanden. Und dann wird vermutlich wieder und wieder vertikutiert. Wie die vielen Jahre schon zuvor. In der Hoffnung, dieses Mal das Moos für immer aus dem Rasen zu bekommen. Und warum hat diese mühsame Tätigkeit nicht das erwünschte Ergebnis gebracht? Weil dieser Aufwand oft vergebens ist, auch der permanente Einsatz von so genannten unterschiedlichsten „Moosvernichtern“ ändert nichts an den Ursachen der zunehmenden Verunkrautung.

 

Vertikutieren ja oder nein? - Das sollten Sie nur, wenn Ihr Rasen wirklich verfilzt ist. Oft lassen Lichtmangel, Bodenverdichtungen oder vorhandene Bodenverhältnisse das Halmengrün nicht wachsen. Von der Tatsache einmal abgesehen, dass Bewegung im Garten grundsätzlich gut tut, bewirkt das Vertikutieren nicht den erwünschten Erfolg. Eine erhoffte Durchlüftung des Bodens wird nämlich nicht erreicht und beim Vertikutieren sorgen die vertikal angeordnete Schneidemesser sogar dafür, dass die ein bis zwei Zentimeter tiefe einschneidende Maßnahme durch den Rasen den Weg für im Boden befindliche „Störkräuter“ freimacht. Wer seinen Rasen wirklich nachhaltig verbessern will, sollte neben einer gründlichen Bodenprobe die Möglichkeit einer späteren Neuanlage prüfen. Auch eine qualitative Rasenmischung sorgt für bessere Ergebnisse.

 

So schneidet man gut ab - Allmählich wird es dann Zeit daran zu denken, dass schon bald wieder der erste Rasenschnitt fällig ist. Je nach Wachstum und Witterung, wird der Mäher gegen Ende März angestellt. Ein ganz gewöhnlicher Hausrasen wird im Regelfall alle sieben bis zehn Tage gemäht. Bis ungefähr Mitte November, wenn es erforderlich sein sollte. Wobei im Sommer die Schnittintervalle etwas länger sein sollten, um Verbrennungen der Rasenfläche vorzubeugen. Oft fragt man sich (oder mich), ob das kurze Schnittgut liegen gelassen werden darf. Wenn die abgeschnittenen Halme sofort eintrocknen und sich keine Grasklumpen gebildet haben, kann man diese Frage grundsätzlich bejahen. Anderseits sprechen auch Gründe dagegen: Die Fäulnis- und Verfilzungsgefahr vergrößert sich für den Natur-Teppich.

 

Wer kurz mäht, hat den schöneren Rasen? - Genau das Gegenteil ist der Fall: Wer tief mäht, gibt dem ungeliebten Wildkraut (Spontanbotanik) mit Sicherheit die Oberhand. Bei drei bis vier Zentimeter (etwa Stufe III beim Rasenmäher) ist das zarte gemähte Grasgrün in der Lage, das unerwünschte Kraut zu unterdrücken. Jeder möchte den besten Rasen der Welt haben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist bereits Ende April eine Düngergabe notwendig. Eine zweite „Verwöhnung“ erfolgt dann zwischen Mitte und Ende September. Nur mal so ganz nebenbei: Eine bilderbuchartige satte, gesunde Rasenfläche ist unbestritten ein starker Stickstoffzehrer. Auch hier empfehle ich, bevor überhaupt gedüngt wird, eine Bodenprobe zu machen. Sie gibt Aufschluss über den Nährstoffgehalt und eine eventuell notwendige Düngung oder Kalkung zur Anhebung des Säuregrades. Kalk reguliert den ph-Wert des Bodens. Je neutraler der Boden ist, desto schlechter ist dies besonders für das ungeliebte Moos.

 

Wer dann im Frühjahr beispielsweise mit Meeresalgenkalk (50-100 g/m2, 1-5 kg/m3) den Rasen verwöhnt, sorgt dafür, dass das in den Boden gebrachte Calcium und Magnesium das Pflanzenwachstum und die Stickstoffmineralisierung fördern.

 

Mit Wasser klotzen, nicht kleckern! - In besonders heißen Sommerperioden benötigt ein Quadratmeter grüne Fläche drei bis vier Liter Wasser. An warmen Tagen verdunsten 100 m2 Rasenfläche in der Woche 2 500 Liter Wasser. Das heißt aber nicht, dass täglich gewässert werden muss. Gräser sollten erst gewässert werden, wenn sie sich grau-grün verfärben, leicht glasig wirken und leichte Welk-Erscheinungen deutlich werden. Das bedeutet: erst ansehen, dann aufdrehen. Wenn gewässert wird, soll morgens oder abends beregnet werden, dabei ist es wichtig, dass dies durchdringend geschieht. Ist das Wasserangebot nur auf die Bodenoberfläche beschränkt, fühlen sich die Rasengräser nämlich nicht gezwungen in die Tiefe zu wurzeln.

 

Ja, es stimmt, wenn es geregnet hat, macht es richtig Sinn, danach noch einmal ausreichend die gesamte Rasenfläche zu wässern. Warum? So werden die Wurzeln angeregt, sich tiefer ins Erdreich zu bemühen. Und warum soll das gut sein? Eine tiefere Bewurzelung schützt die grüne Fläche leichter vor Vertrocknung. Trockenheit führt unweigerlich zu vertrockneten Flächen im Rasen.

 

Gartenbotschafter John Langley


Ran an den Rasen

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