Langleys blühende Fantasien

Der Winter kann kommen


Auch jetzt noch ist Zeit für kreatives Schaffen im Garten. Natürlich ist kein stures Pflichtprogramm angesagt, sondern die Vorfreude auf das kommende blühende Gartenjahr bestimmt den gärtnerischen Arbeitsplan zwischen den Jahren. Wenn der Boden nicht gefroren ist, lassen sich noch viele nackte und immergrüne Gehölze oder Stauden pflanzen.

 

Warum das Laub jetzt fällt -  Wenn es in unseren Breitengraden kühler und dunkler wird, geht auch der "grünen Lunge" allmählich die Luft aus. Viele unserer Laubbäume bereiten sich jetzt auf das alljährliche Überleben vor. Sich total freimachen von herbstlich gefärbten Laubblättern ist eine natürliche Schutzvorrichtung gegen Kälte, Vertrocknen und möglichen Exitus. Aus einem gefrorenen Winterboden kann kein Baum Wasser über die Wurzeln aufnehmen, um die Blätter zu versorgen. Bliebe das gesamte Blattwerk am Baum, würde das Laub durch Verdunstung im tagsüber wärmenden Sonnenlicht über kurz oder lang vertrocknen und der Baum ginge für immer verloren.

 

Das Laub bietet zum einen Unterschlupf für Kleintiere. Wer Laub kompostiert, beweist Naturverständnis. Als Flächenkompostierung (Mulchen) unter Bäumen und Hecken bekommt der Boden mit dem Laub wichtige Nährstoffe zurück und wird dazu noch kostenfrei geschützt. Im kommenden Frühjahr ist die winterliche Laubdecke, - wenn es nicht gerade Kastanien- oder Eichenblätter sind, - bereits stark zersetzt. Gemeinsam mit Ahorn-, Birken-, Linden-, Erlen- und Buchenlaub vermischt lässt sich auch schwer verrottbares Laub zersetzen.

 

Stauden schützen -  Viele wertvolle Gartenpflanzen überstehen in unserem winterlichen, nassen Klimabereich den Winter leider nicht immer unbeschadet. Vor allem beim Fehlen einer schützenden Schneedecke sind im Frühjahr viele Ausfälle unserer Pflanzen zu beklagen. Müssen immergrüne Stauden auch mit Grün geschützt werden? Ja, vor allem die sonnenexponierten Polsterstauden wie Steinkraut, Gänsekresse oder Polsterphlox. Darüber gelegte oder zeltartig in den Boden gesteckte Fichten- oder Tannenzweigen schützen vor zu viel Sonne.

 

Kein Frust mit Frost -  Bei strengem Bodenfrost und gleichzeitigem wärmenden Sonnenschein oder stärkeren Wind trocknen Pflanzen unabwendbar aus. Dieser Mangel an Wasser in der Pflanze nennt man Frosttrocknis. Starke Temperaturwechsel führen eigentlich immer zu Frostschäden an der Pflanze in Form von Frostrissen, Frostplatten, Erfrierungen ganzer Pflanzenteile und ganzer Pflanzen. Das Erfrieren versucht man deshalb mit dem Weißen von jungen Baumstämmen, Aufstellen von Sonnen- und Windschutz durch Strohmatten, Ummanteln mit Jutesäcken, Anhäufen von Laub oder Einwickeln mit Tannen- oder Fichtenzweige der Pflanzen zu verhindern.

 

Gegen extrem tiefe Temperaturen hilft rein gar nichts - da findet dann eine natürliche Auslese statt. Und dann gibt es noch das winterliche Vertrocknen der immergrünen Pflanzen, dazu gehören auch die grünen lebenden Teile von vielen Laub abwerfenden Pflanzen wie Hartriegel, Jasmin, Hamamelis, Obstbäume, Rosenstämme und anderen. Was passiert? Die Sonne sorgt für Wärme, das führt zur Verdunstung der Pflanzen. Der gefrorene Boden kann die Wurzeln nicht mit Flüssigkeit versorgen - sie vertrocknen. Auch eine Wässerung ist hier - auf gefrorenem Boden – nicht mehr geeignet. Was ist zu tun? Schützen Sie die oft jung gepflanzten Gewächse durch Schatten und Windschutz vor der Transpiration.

 

Rosige Winterzeiten -  Gibt es rosige Zeiten für Rosen im Winter? Ja, aber nur, wenn Beetrosen 15 cm hoch mit Erdreich über der Veredlung angehäufelt und somit geschützt werden. Alternativ kann auch Stroh oder Laub Verwendung finden. Dies sollte aber mit Fichtenzweigen vor Verwehen geschützt werden. Hochstammrosen, die empfindlicher als Buschrosen sind, bedürfen einer besonders sorgfältigen Abdeckung. Blätter und weiche Triebspitzen werden vorsichtig zurückgeschnitten, bevor man die Krone (wenn möglich) vorsichtig abbiegt, anpflockt und sie in den Boden eingräbt. Anschließend müssen Stamm und Krone auch mit Fichtenzweigen abgedeckt werden. Ist die Krone nicht abzubiegen, muss man sie mit oben genanntem Material ausstopfen und leicht, windfest zusammenbinden. Gleiches gilt natürlich für den Stamm und die Veredlungsstelle.

 

Oh, Tannenbaum… -  Was wäre Weihnachten ohne die sechs "K"s? Ohne Kaffee, Karpfen, Kerzen, Krippe, Konsum und Koniferen. Und natürlich ohne den traditionellen Weihnachtsbaum - geschlagen, getopft, mit oder ohne Wurzel? Der alljährliche Griff zu den immergrünen Koniferen kommt nicht von ungefähr. Mit dem Baum im Raum soll Böses ferngehalten und Fruchtbarkeit erreicht werden. Ganz oben auf der Hitliste der beliebtesten grünen Kerzenträger steht immer noch die einfache Rotfichte, ihr folgen die pieksige Blautanne und die weichere, duftende Nordmann. Hier und da wird auch mal eine schöne Kiefer festlich klassisch herausgeputzt. Wer keine geschlagenen Weihnachtsbäume zum friedlichen Fest aufstellen will, entscheidet sich für einen so genannten Container-Christbaum mit echtem, intaktem Wurzelwerk. Der ballenechte Weihnachtsbaum kann unmittelbar nach den Festtagen, wenn der Boden nicht gefroren ist, verpflanzt werden. Damit das getopfte Weihnachtsgrün keinen Dauertrockenschaden erleidet, sollte es regelmäßig gewässert werden und möglichst nur wenige heiße festliche Stunden ertragen müssen. Der Umzug von der Stube ins Freie bei niedriger Außentemperatur muss langsam erfolgen, um einem möglichen Kälteschock vorzubeugen. Sonst gibt es eine weitere Bescherung: Das weihnachtliche Grün würde bei Frost umgehend erfrieren. Das wäre nicht nur schade, da bekanntlich Grün für Naturverbundenheit steht.

 

Gartenbotschafter John Langley


Der Winter kann kommen

Fotos: John Langley