Langleys blühende Fantasien

Der stille Garten


Einkehr, Rückzug, Natur erfahren oder einfach nur von Kopf bis Seele ganz still werden. Jetzt ist auch im Garten dafür die richtige Zeit angebrochen. Endlich mal etwas abschalten können – ein verlockender Gedanke, denn heutzutage kommen Nichtstun und Entspannung oft zu kurz. Termine, Termine, Termine……. In der Natur ist es in jedem Fall möglich, der alltäglichen Geschwindigkeit mit eigener Langsamkeit zu begegnen, der Ruhe zu lauschen, den natürlichen Düften nachzuspüren, den Blick auf die einfachen Dinge zu richten. Die fassettenreiche Herbst- und Winterzeit ist eine geeignete Jahreszeit dafür. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, gemeinsam mit der Natur gemächlicher das Jahr zu beenden. Auch wenn wir oft glauben, dafür eigentlich keine Zeit zu haben. Zurück zur Natur scheint es uns immer dann zu ziehen, wenn wir uns entschleunigen wollen oder müssen. Dabei geht es nicht um profane Langsamkeit als Selbstzweck, sondern um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen im Umgang mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der umgebenden Natur. Entspannung braucht viel mehr Raum in unserem Leben und ich selber empfinde in den vergangenen Jahren: Der Wunsch danach wird immer größer.

 

Garten: Arbeitsplatz oder Berufung? - Menschen, die ihren Garten nicht nur als anstrengenden Arbeitsplatz, sondern vielmehr als Berufung empfinden, können uneingeschränkt bestätigen, dass das offene Auge zu jeder Jahreszeit Dinge wachsen sieht, aus denen immer etwas ganz Besonderes wird. So wird der Entdeckergarten gerade für Stadtmenschen zur uneingeschränkten Lust zwischen Botanik und Beton. Der Wunsch vieler Erdenbürger und damit verbunden die Suche nach einem Stückchen Land nimmt unaufhörlich zu. Die Motivation dafür ist schnell gefunden, eigenes Gemüse, blühende Natur oder zu erntendes Obst anzubauen und ganz nebenbei ein bisschen zu gärtnern, ist voll im Trend. „Urban Gardening“ heißt eine der vielen Vorwärtsbewegungen im Umgang mit der Natur. Gärtnern ist pure Sinnesanregung und Selbstfindung. Hier wird überzeugend deutlich, wie der Mensch sich nach Natur und Ruhe in dieser doch durchaus hektischen Welt sehnt.

 

Wie sieht eigentlich ein „Garten der Stille“ aus? - Gehören dazu akkurat gestutzte Hecken? Perfekt gepflegte Blumenbeete oder ein makelloser Rasen? Das alles mag zunächst - pflegetechnisch verstanden - beruhigt sein, lässt aber vermutlich die ersehnte Stille vermissen. Die findet man vielleicht eher in einem Refugium mit üppigem Pflanzenreichtum und vielen Tieren wie Schmetterlingen und Vögeln. Das zu beobachten ist für mich bereits tiefe Entspannung. Es kann für uns alle den idealtypischen "Garten der Stille“ geben, wenn wir uns aus unserem oft hektischen Alltag davonstehlen wollen. Egal wo, es gibt unzählige Möglichkeiten und Gelegenheiten in der Natur zur Besinnung, Einkehr und zum Innehalten. Wer die Natur versteht, hört auf sich selbst.

 

Dort wo lebendige Artenvielfalt, Vögel und Insekten das Leben bestimmen, finden viele Menschen eigentlich immer ihre Ruhe. Ok, das gelingt nicht immer und überall. Da gibt es hier und da immer noch Erdenbewohner, die haben mit „Unkraut“ einen riesigen Stress. Aber es geht auch anders. Viele freuen sich über diese Spontanbegrünung, weil hier geeignete Futterlieferanten für Wildvögel wachsen. Wer in seinem Staudenbeet etwas stehen lässt und nicht immer zu Schere greift, kann die bunten "Distelfinken" auf den Distelfruchtstände bei der Nahrungsaufnahme entdecken. Wer abgeschnittene, gesammelte Zweige und abgefallenes Laub als Winterquartier aufbaut, trägt aktiv zur Winterruhe für Igel und wesentlich zum Naturverständnis bei. Apropos Laub. Wer einen Laubsauger einsetzt, kann in dem Moment des Anschaltens des Gerätes nicht nur auf Stille im Garten, sondern auch auf millionen Lebewesen verzichten, die sich auch unter Laubschichten für die Winterruhe zurückziehen wollen. „Wer Schmetterlinge liebt, muss auch Raupen mögen. Denn sie verwandeln sich in wunderschöne Tagpfauenaugen.“ Diese Aussage habe ich neulich gelesen und sie hat mich überzeugt, denn genau hier verbirgt sich ein Schlüssel der Stille.

 

Wasser, Holz und Steine beruhigen -  Wer sich im seinem Garten, Terrasse oder auf dem Balkon für Pflanzenvielfalt und beruhigende Elemente wie Wasser, Holz oder Steinen entschieden hat, ist auf den richtigen Weg zu einem ganz besonderen Ort der Stille. Vielleicht liegt hier das eigentliche Geheimnis. Wer sein grünes Refugium betritt, kann gleich tief durchatmen, aufatmen und bereits am Eingang alles Belastende nahezu abstreifen. Freude und Erlebnisse der ganz besonderen Art in der Natur lassen für viele von uns unweigerlich die Zeit stillstehen. Es ist nicht immer der große Schaugarten, sondern oft auch ein persönlicher Ort der eigenen Entspannung dafür geeignet. Für mich ist es bereits große Freude an der Natur, wenn ich an einem herbstlichen, leicht nebeligen total stillen frühen Morgen, kurz nach dem Aufstehen (versteht sich) durch unseren überschaubaren Garten gehe. Dann schaue ich mich um und freue mich auf einen wunderbaren entspannten Tag.

 

Gartenbotschafter John Langley


Der stille Garten