NDR-MEIN NACHMITTAG


Rasen im Frühling mit Sven Tietzer und Gartenbotschafter John Langley®


Vorbereitungen



Impressionen vom Dreh



Gibt es den perfekten Rasen?


Ja, schauen Sie sich gern einmal kritisch suchend um und flanieren mit dem Blick auf das zu entdeckende „Supergrün“ in seiner natürlichen horizontalen Vollkommenheit. Wonach werden Sie vermutlich genau Ausschau halten? Nach einem sattem und kräftigen Grün, robust gewachsenen Halmen, dicht an dicht im Wind leicht bewegte Gräser…… und wenn man seine Hände ganz nach unten ausstreckt, dann fühlt sich das GRÜN soooooo weich an und es riecht auch so frisch. Ja!!!!!! Sie haben dann den perfekten und schönsten Teppich der Welt gefunden.


So ein Bestimmungsprofil passt zu einem klassischem englischen Zierrasen. Das kontinentale wird besonders durch die Insellage und den Golfstrom geprägt, der für recht milde Temperaturen auch im Winter sorgt Und das macht den kleinen Unterschied der bereits aufgeführten Eigenschaften aus. Das relativ milde Wetter auf der Insel tut dem Rasen nur gut. Es regnet regelmäßig und es gibt kaum strenge Winter mit längeren Frostperioden wie bei uns. Das ausgeglichene und nicht zu warme Klima, sorgt für ideale Wachstumsbedingungen, da der Insel-Rasen erst ab 15 Grad Bodentemperatur zu keimen beginnt. Es ist auch die höhere Luftfeuchtigkeit, die vieles anders gedeihen lässt, als in den Gärten zwischen der Nord- oder Ostseeküste. Weil aber auch hierzulande der dichte und feinblättrige „very british Zierrasen“ immer beliebter wird, muss dafür einiges bedacht werden.


Was ist ein schöner Rasen?


„Was ist eigentlich ein schöner Rasen“ ein wirklich unerschöpfliches Thema ist. Doch trotzdem kann man es mit wenigen Profi-Tipps zu einem optimalen Rasen kommen. Grundsätzlich – fast im wahrsten Sinne des Wortes – sind geeignete Bodenverhältnisse, die Standortbedingungen, verwendetes Saatgut (sehr wichtig) oder die angedachte Nutzung der angelegten Rasenfläche. Soll es eine Spiel-, Sport-oder Zierrasenfläche sein? Diese Entscheidung ist für die „Erlebniswelt Rasen“ sehr entscheidend.

 

Ein guter Anfang kennt kein Ende.

 

Welcher Boden eignet sich für Rasen? Optimal ist ein lehmiger Sandboden mit ausreichend Humusgehalt. Er besteht zu 50% aus festen Bestandteilen, 30% wassergefüllten und 20% luftgefüllten Poren. Er ist ausreichend trittfest und in der Lage Wasser und Nährstoffe zu halten. Lehmböden sind (auch für viele andere Pflanzen) ungeeignet. Sie trocknen zwar langsam ab, werden dann sehr hart und reißen auf. Auch neigen Rasenflächen auf Lehmböden zur Staunässe mit den damit verbundenen Gefahren hinsichtlich Moosbildung. Weiche sogenannte Humusböden haben den Nachteil, dass der Rasen weich und nicht begehbar ist.

 

Ist die teure Rasensaat besser als preiswerte?

 

Aufgepasst beim Einkauf: Saat nicht gleich Saat. Wer sich spontan für Billigangebote entscheidet, erhält fast ausschließlich einfachste Grasarten. O.K., in den ersten Wochen beeindruckt diese Kaufentscheidung durch enormes Wachstum der Gräser, aber dann? Später ärgert man sich vermutlich über das restliche Grün, das noch nicht ins Gras gebissen hat. Es ist auch nicht leicht, Boden, Licht, Standort, Belastung, Preisvorstellung und den Wunsch nach pflegeleichten Flächen in Einklang zu bringen. Erschwerend kommt dazu, dass inzwischen fast hunderte Rasenmischungen zum Verkauf angeboten werden.

 

Bewährt hat sich (ohne hier verkaufen zu wollen) hochwertiges Saatgut zu verwenden. Beispielsweise sollte eine „Zierrasenmischung“ einen hohen Anteil an der Sorte Rotschwingel (Festuca rubra) aufweisen, während für stärker belastete Rasen Weidelgras (Lolium perenne) und Wiesenrispe (Poa pratensis) besonders geeignet sind. Die Lägerrispe (Poa supina) zeigt ihre Stärken in Saatgutmischungen für Schattenlagen, während der Rohrschwingel (Festuca arundinacea) sich besonders für trockene Standorte empfiehlt. Was sich zunächst etwas kompliziert anhört, lässt sich auf (fast) jeder Rasensaatverpackung nachlesend überprüfen. Das billig auf die Dauer teuer wird hat sich hinlänglich bewahrheitet.

 

Von einer zu preiswerten Grassorte ist aus meiner Erfahrung dringend abzuraten. Warum? Oft werden der Saatmischung - das sehr viel billigere „Futtergras“ oder Deutsches Weidelgras - Lolium perenne) in größerer Menge angereichert. Dieses Gras ist extra gezüchtet worden, weil es schnell wächst. Das ist soweit noch ok, aber dann kommt das eigentliche Rasenflächenproblem.


Das „Futtergras“ verdrängt nachhaltig die langsam wachsenden anderen Rasengräser. Und zum Herbst zeigen sich dann große Lücken, weil das „andere“ Gras ganz krass verloren hat.


Rasenmäher - Erst sehen, dann säen und dann mähen.


So, nun haben Sie sich für die richtige Saat entschieden. Der beste Zeitpunkt für die Einsaat sind die Monate April oder August (oder während der frostfreien Phase), wobei man dafür die Bodenbearbeitung frühzeitig durchführen muss. Vor der Einsaat muss die Fläche langsam aber durchdringend gewässert werden. Mein Tipp: Das Saatgut wird nochmals gemischt, da die einzelnen Samen unterschiedliche Gewichte haben und sich dadurch schnell entmischen. Aus diesem Grund sollte man auch nur an einem windstillen Tag säen, damit die leichteren Samen nicht weiter fliegen als die schwereren. Von handelsüblichen Rasenmischungen benötigt man 15 bis 20 Gramm pro Quadratmeter. Um das Saatgut gleichmäßig zu verteilen, sät man am besten in zwei Richtungen aus. Danach arbeitet man das Saatgut leicht in den Boden ein, walzt nochmals über die Fläche und beregnet sie.

 

Wann mäht man seinen Rasen am besten?

 

Bitte noch nicht den Rasenmäher starten. Der erste Schnitt erfolgt, wenn die Gräser sechs bis sieben Zentimeter hoch sind. Dabei sollte der Boden abgetrocknet und der Mäher (wenn das möglich ist) auf vier bis fünf Zentimeter Schnitthöhe eingestellt sein. Wird der neue schöne Rasen kürzer geschnitten, kommt es schnell zu Verunkrautung und Sonnenbrand-schäden. In Hitze und Trockenperioden wächst der Rasen kaum und darf nicht geschnitten werden. Unter Umständen wird einen Tag nach dem Mähen gewässert, so wird der Schnittstress gemindert. Kein Rasenmähen bei nassem Gras, die Halme werden stärker als nötig verletzt. Nasses Gras klebt und Pilzinfektionen werden gefördert. Kein Rasenmähen bei Temperaturen über 30° C. Der Boden würde unweigerlich zu schnell austrocknet. Besser den Rasen (Nachbarn freuen sich dann vermutlich ;-) eher abends mähen, um ein mögliches Antrocknen der Schnittstellen zu vermeiden.

 

Wie oft sollte das GRÜN geschnitten werden?

 

Ein regelmäßiger und gleichmäßiger Schnitt ist für einen schönen Rasen ist unerlässlich. Einmal in der Woche macht mähen Sinn. Nichts ist schlechter für eine gesunde Rasennarbe als unregelmäßige Rasenschnitte, bei denen zu hoher Rasen zu tief geschnitten wird.


TIPP: Bei länger anhaltender Sommertrockenheit ist es durchaus möglich, eine Woche auszusetzen, weil der Rasen kaum wächst. Ein am Sonntag oder zur Mittagszeit geschnittener Rasen wächst nicht besser und wird nachweisbar auch nicht schöner. ;-)

 

Kurz oder ultrakurz?

 

Es gilt, möglichst häufig, wenig abzuschneiden. Das bedeutet? 2/3 Blattmasse sollte bei einem Schnitt in jeden Fall übrig bleiben. Ein normaler Hausrasen sollte 3-5 cm hoch gemäht werden. Je höher, desto mehr Photosynthese kann die Pflanze machen. Gleichzeitig wird so auch das Wachstum der Wurzeln positiv beeinflusst. Das Gras wächst tiefer in den Boden. Das bedeutet bessere Trockentoleranz und Mineralstoff-aufnahme des Rasens wird dadurch nachhaltig erhöht. Der häufige Schnitt – und jetzt kommt der ultimative Tipp - auf eine stets gleich bleibende Höhe schadet den Gräsern nicht. Im Gegenteil, regelmäßiges Mähen auf die richtige Länge halten die Rasengräser robuster und schwächen das "Unkraut".

 

Der häufige Schnitt auf eine stets gleich bleibende Höhe schadet den Gräsern nicht. An der Universität Weihenstephan ist bei Versuchen nachgewiesen worden, dass regelmäßiges Mähen auf die richtige Länge die Rasengräser robuster macht und das "Unkraut" geschwächt wird. Häufig ist der Rasen nach dem Urlaub zum "Sorgenkind". Mancher meint immer noch, den Rasen zu vor noch einmal recht kurz schneiden zu müssen. Dann sollte aber auf keinen Fall unter 4-5 cm Höhe geschnitten werden, um ein Verbrennen bei hoher Sonneneinstrahlung des Rasens zu verhindern. Ein zu kurzer Schnitt fördert zudem die Entwicklung von "Un"kräutern.

 


Rasenprobleme


ACHTUNG - Brandflecken entstehen oft bei "hügeliger" Rasenfläche.

 

Wurde der Rasen während des Urlaubs nicht geschnitten und ist er dadurch länger als üblich geworden, gibt es eine einfache Schnittregel: Dann sollte er nicht gleich auf einmal auf die gewünschte Höhe geschnitten werden, sondern nach einem 1. Schnitt auf die Hälfte der bestehenden Graslänge und dann folgt nach einigen Tagen der zweite Schnitt. Durch diese Schnitt-Intervalle gibt man den unteren Rasengräsern Zeit, sich an den höheren Lichteinfall zu gewöhnen und vermeidet so unnötige Verbrennungen.

 

Den kurzen Schnitt einfach liegen lassen?

 

Das ist durchaus möglich. Gleichmäßig verteilt, fällt es zwischen die Narbe und wird rasch abgebaut. Es gibt dem Boden damit wieder Nährstoffe zurück. Mulchmäher unterstützen diesen Prozess, indem sie das Schnittgut besonders klein schneiden. Nur auf ausgesprochenem perfekten – wie am Anfang beschrieben - Zierrasen sollte man darauf verzichten. Eine Verfilzung wäre die Folge.

 

Soll oder muss man womit düngen?

 

Ein gesunder Boden liefert grundsätzlich einen gesunden Rasen. Das eigentliche Geheimnis für jeden gesunden, vitalen, dichten und strapazierfähigen Rasen ist die richtige Ernährung. Diese Tatsache wird leider von vielen Gartenbesitzern noch immer unterschätzt oder total übertrieben. In unseren Breiten kann während der gesamten Vegetation gedüngt werden. Der erste Wachstumsschub ist etwa von April bis Mai. Das ist die Zeit der höchsten Nährstoffaufnahme und Umsetzung in der Pflanze. Zu diesem Zeitpunkt sollte die erste Düngung des Rasens erfolgen. Die handels-üblichen Dünger enthalten die oben genannten Nährstoffe meist in der Zusammensetzung 15-20 % N, 3-5 % P2O5, 8-10 % K2O und Magnesium und Eisen, so dass ca. 30 g/qm eines solchen Düngers für die erste Gabe ausreichen.

Die zweite Düngergabe kann etwa Ende Juni, die letzte im August erfolgen. Nach diesem System ist der Rasen rund ums Jahr optimal versorgt und dabei umweltgerecht ernährt, denn die Nährstoffe werden restlos von den Pflanzen verbraucht. Die Gräser können sich nach jedem Schnitt regenerieren und bleiben bei richtiger Pflege „grün“. Wer hat das gewusst? Bereits 250 m² Rasen erzeugen etwa so viel Sauerstoff am Tag wie 4 Menschen verbrauchen.


Muss ein vitaler Rasen wirklich vertikutiert werden?


NEIN!!!!!! Und wenn es trotzdem sein muss, dann am besten nach dem 1+2 Schnitt im Frühjahr- der Boden sollte leicht feucht sein - nicht nass oder trocken - nur dann können die Messer gründlich arbeiten. (Empfohlene Vertikutierzeiten: Ende April - Mai oder Sept. – Okt.) Was passiert eigentlich beim Vertikutieren? Vertikale sich drehende Messer durchschneiden die möglicherweise verfilzte Rasennarbe, bei dem der Boden NUR leicht angeritzt werden sollte. Alles andere nennt man pflügen.

 

Der Filz an der Bodenoberfläche wird durchschnitten und ausgeräumt. Diese hand- oder maschinelle Arbeit wirkt auch vorbeugend gegen Pilzkrankheiten und sorgt für bessere Sauerstoff- und Wasserversorgung, die Vegetationsschicht wird gelockert und gelüftet.

 

Das Resultat: Bessere Durchwurzelung weniger "Wildkraut" im Rasen. Es soll Rasenfreunde geben, die „durchkämmen“ bereits viele Jahre ihren Rasen und das Moos wird einfach weniger. Warum ist das so? Das Vertikutieren stört, aber verhindert in der Tat kein Moos. Und deshalb ist diese Mühe vergebens. Wenn man wirklich etwas nachhaltig verändern möchte, dann müssen Faktoren wie Lichtmangel, Bodenverdichtungen, Ernährung oder falsche Zusammensetzung des Untergrundes geändert werden. Was passiert oft nach dem vertikutieren? Die gewünschte Durchlüftung des Bodens bewirkt wenig und bringt zudem Unkrautsamen aus tieferen Schichten des Rasens an die Oberfläche. Auch schon entdeckt? Mein Tipp, wer seinen Rasen nachhaltig verbessern will, sollte immer auch die Möglichkeit einer Neuanlage prüfen. Was bedeutet das? Dazu gehört zunächst eine tiefe, intensive Bodenbearbeitung, am besten mit einer Fräse. Ein zu geringer Humusanteil kann zum Beispiel durch Komposte angehoben werden. Die Wahl der Rasenmischung – richtet sich nach der beabsichtigten Nutzung und dem Lichtangebot. Aber darüber habe ich ja schon hier berichtet. Wer kein Moos hat, hat möglicherweise ganz andere Sorgen mit seinem Rasen.


Dürreschäden - was tun?


Doch was ist passiert, wenn das Grün in Garten gelb, braun oder grau wird? Wenn der Rasen mehr stress als stressless verursacht. Was ist dann zu tun oder etwas salopper gefragt: Was wurde verkehrt gemacht??? Diese Dürreschäden lassen sich selbst in extrem trockenen und sehr heißen Sommern nicht immer vermeiden. Selbst bei einer automatisch gesteuerten Bewäs-serungsanlage, die jeden Tag läuft, kann es trotzdem zu bräunlichen Flecken auf dem Rasen kommen. Wer nicht darauf achtet, dass die „Messer“ des Rasenmähers scharf genug sind, reißt und rupft das Grün, anstatt es sauber, glatt verletzungsgering zu schneiden. Die beschä-digten Schnittflächen vertrocknen und das sieht in der Fläche unschön aus.