NDR-MEIN NACHMITTAG


"Vermehrung" mit Sven Tietzer und Gartenbotschafter John Langley®

Blumenhof Pein - wo sonst?


Copyright / Fotos: Hilia Marija Höpker


Zimmergrün durch Stecklingsvermehrung


Im Gegensatz zur Aussaat, der generativen Vermehrung, bezeichnet man die Pflanzenvermehrung durch Stecklinge als vegetative Vermehrung.

Drei Methoden der Stecklingsvermehrung sollen hier vorgestellt werden:


1. Methode - Blattstecklinge: Zu den bekanntesten Zimmerpflanzen, die über Blattstecklinge vermehrt werden, gehört das Usambaraveilchen. Ein Blatt wird sauber von der Pflanze abgetrennt und in frisches, leicht oder ungedüngtes Substrat gesteckt. Nach wenigen Wochen erkennt man neben dem Blattstiel die ersten kleinen Blättchen der neuen Pflanze. Das Usambaraveilchen ist nach wie vor in der Top-Ten-Liste der Zierpflanzen und wird immer wieder neue Liebhaber finden. Bei guter Pflege sind diese Pflanzen unermüdlich im Blühen.


2. Methode - Kopfstecklinge: Im Prinzip lassen sich alle Pflanzen, die einen Stängel aufweisen, über Kopfstecklinge vermehren. Nur bewurzeln sich die Triebe unterschiedlich gut. Der Kopfsteckling ist der oberste Teil des Triebes, mit der sogenannten Terminalknospe. Der Stängel wird unter dem dritten bis vierten Auge sauber abgetrennt. Das für die Bewurzelung aktivste Gewebe liegt etwa einen Zentimeter unter dem Blattknoten.


Der Steckling wird auch hier in frisches, leicht oder ungedüngtes Substrat gesteckt. Nach drei bis sechs Wochen sollten sich Wurzeln gebildet haben. Sommerblumen, die sich gut über Kopfstecklinge vermehren lassen sind: Fuchsie, Geranie, Strauchmargerite und Weihrauch / Mottenkönig.

Geeignete Zimmerpflanzen sind unter anderem Gummibaum, Birkenfeige, Efeu, Schefflera, Pfennigbaum (oder sollte man ihn heute vielleicht lieber Centbaum nennen?) oder die Diefenbachie, bei der man sich jedoch vor dem Kontakt mit dem leicht giftigen Pflanzensaft schützen sollte.

 

3. Methode - Teilstecklinge: Als Teilstecklinge bezeichnet man den Teil des Stängels, der sich unter dem Kopfsteckling befindet. Ist dieser Bereich nicht zu stark verholzt, bilden sich auch an diesen Abschnitten Wurzeln. Für Teilstecklinge eignen sich besonders die Triebe des Efeus.


Efeu ist EINFACH


Die einfachste Vermehrungsmethode ist ein Efeutrieb im Wasserglas. Es besteht aber auch die Möglichkeit (wenn der Efeu nicht zu alt ist), die langen Triebe kreisförmig auf einen mit Vermehrungssubstrat (Blumenerde mit viel Sand oder Kakteenerde) gefüllten Topf zu legen.

Damit der Bodenkontakt erhalten bleibt, sollte (kann) die Efeuranke mit aufgespalteten Schaschlikstäbchen in der Erde fixiert werden. Durch die horizontale Lage des Efeus kommt es aus den Nodien (Blattachsen) zur gewünschten Wurzelbildung und somit zu neuen Trieben.
Den Neuaustrieb dann mit einem scharfen, sauberen Messer reduzieren, damit sich das neue Pflänzchen verzweigt. Man kann entweder ein kleines Vermehrungsgewächshaus (im Gartencenter erhältlich) verwenden, damit die Temperatur von 20°C gehalten werden kann, oder einfach ein größeres Glas auf den Topf stülpen. Damit es nicht zur Schimmelbildung kommt, ab und zu mal lüften.


VEGETATIVE VERMEHRUNG


Ein Steckling ist ein Teil einer Pflanze (etwa ein Stück Stängel, Blatt oder Wurzel), er dazu angeregt wird, eigene Wurzeln zu bilden, um sich so zu einer jungen, selbständigen und vollkommenen Pflanze zu entwickeln.

 

Viele Pflanzen können leicht durch Stecklinge vermehrt werden, aber welcher Art der Steckling sein muss, das hängt von der einzelnen Pflanze ab. Eine große Zahl von winterharten Sträuchern und Gewächshauspflanzen können durch sogenannte "Weichholzstecklinge" vermehrt werden. Man schneidet die Stecklinge von weichen, meist jungen Trieben gegen Ende der ersten Jahreshälfte - vom Frühling bis Sommerbeginn. Die Stecklinge bewurzeln am Besten, wenn der Trieb noch nicht verholzt ist. Die Stecklinge werden mit einer Rasierklinge oder einem sehr scharfen Messer geschnitten, damit eine glatte und saubere Schnittstelle entsteht. Der Schnitt sollte möglichst kurz sein und daher im rechten Winkel zum Trieb erfolgen (und nicht schräg, wie eine "Salamischeibe"). Mit einer Schere wird die Schnittfläche meist gequetscht. Nicht sachgemäß geschnittene Stecklinge brauchen sehr viel Zeit um sich zu erholen und einen Wundverschluss (Kallus) zu bilden. Als Resultat faulen sie meist, anstatt Wurzeln zu bilden.

Die davon abgenommenen Stecklinge sollten etwa 6-8cm lang sein, müssen aber immer unmittelbar unter bzw. über einem Blattknoten (Nodium) oder unter einer Blattachsel geschnitten werden. Die unteren Blätter sollte man so nahe wie möglich am Spross abtrennen. Quelle: Handbuch der Pflanzenvermehrung (Neumann-Neumann Verlag)


Alles Banane?


Einige Bananen treiben so richtige Ausläufer, wenn die Hauptpflanze verblüht ist und sie Früchte gebildet hat. Dann ist der natürliche Zeitpunkt und sie stirbt ab und dann übernimmt der stärkste Ausläufer das Überleben der Pflanze. So perfekt ist die Natur. Wie gesagt: Wenn die "Alte" abgestorben ist, solltes man den Ballen vorsichtig aus dem Substrat nehmen, teilt ihn und pflanzt den Bananen-Nachwuchs einzeln in neue Töpfe mit handelsüblicher ordentlicher Blumenerde. Jetzt ist ein heller Standort ohne Zugluft für das Gedeihen der tropischen Natur angesagt.


Yucca hat fast jeder


Inzwischen hat sich auch bei mir (man glaubt es vermutlich kaum) "Pflegemuffel" die Yucca elephantipes bis zur Zimmerdecke gestreckt. Im letztem Frühjahr habe ich durch Bewurzeln von Nebensprossen (Kindel), die mindestens vier 15-20 cm lange Blätter hatten, unsere Yucca erfolgreich vermehrt. Die Stecklinge bewurzeln leicht in einem Sand-Einheitserde-Gemisch in nur 6-8 Wochen.
Wer Lust auf Handarbeit hat, kann mit einer Säge (habe das Brotmesser genommen) den Yucca-Stamm in 20 cm lange Stücke teilen. Diese lassen sich nach mehrwöchiger Trockenzeit sehr gut bewurzeln.

Vermehrung nur bei 20°-25°C Bodenwärme. Dafür habe ich eine handelsübliche Heizmatte für Pflanzen eingesetzt. In der bereits oben genannten Einheitserde mit Sand wurzeln die Stammstecklinge der Yucca schnell.


Besonders die völlig anspruchslose Riesenpalmlilie (Wunderholz) macht ihrem Namen alle Ehre und ist einem eines Tages als Zimmer- wie als Kübelpflanze buchstäblich über den Kopf gewachsen. Angesichts dieser fast armdicken Stämme muss man(n) zum Zerlegen eine gute scharfe Säge benutzen, mit der man zunächst die oberen Blattschöpfe mit einem etwa 20 cm langen Sprossstück abtrennt und danach auch die glatten Stammabschnitte in derartige Segmente zerteilt.


Die obere Schnittstelle könnte umgehend mit Wundwachs (im Fachhandel erhältlich) versiegelt werden, dann weiß man auch gleich, welches Ende später in die Erde beziehungsweise Substrat kommt.


Das sogenannte Bewurzelungssubstrat wird randhoch im ausgewählten Gefäß gefüllt. Anschließend steckt man die einzelnen Teile, jedes für sich senkrecht, so tief, dass sie festen Halt bekommen. Da die Vermehrung am besten im Sommer vorgenommen wird, stellt man die "Vermehrungs-Gefäße" an einen schattigen Platz ins Freie.


ACHTUNG: Vorsicht mit dem Gießen! Das Substrat soll nicht mehr als ganz leicht feucht sein. Je nach Temperatur beginnt die Wurzelbildung nach vier bis sechs Wochen.


Riesen-Palmlilie (Yucca elephantipes)


Eine dekorative Zimmerpflanze mit zierlichen grünen Blättern. Sie wächst in Mexilo auf Halbwüstengebieten, oft zwischen Kakteen. Dort erreicht sie bis 10m Wuchshöhe. Keine Sorge die Zimmerbotanik wird bei guter Pflege "nur" bis ca. 1,8 m hoch und 60 cm breit.