NDR-Mein Nachmittag - Wie die Zeit vergeht und immer noch TOP aktuell.



Obstbaumschnitt mit Sven Tietzer und Gartenbotschafter John Langley®

Norddeutschen Gartenschau im Arboretum Ellerhoop


Copyright / Fotos: Hilia Marija Höpker


Der Apfelbaum


Ganz allgemein - bevorzugt der Apfel- baum ein gemäßigtes Klima mit nicht allzu tiefen Wintertemperaturen (-20°C)   - Wo sollen diese auch zur Zeit herkommen? - und auch einen mäßig warme Sommer (25-30°C). Wichtig ist ein grundsätzlich ein geeigneter Standort, der nicht spätfrostgefährdet ist, da die offene Apfelblüte nur etwa -1,5% C - verträgt. Wer einen tiefgründigen, lehmigen Böden hat. Darauf freut sich der Apfelbaum. Kalte, nasse oder gar zu feuchte Standorte führen - genauso wie · schwere lehmige, Iößlehmige oder gar tonige Böden unweigerlich zu einer ungenügenden Fruchtentwicklung und vermehrtem Stress und Krankheiten für den "Baum der Erkenntnis".

MERKSATZ: Grundsätzlich ist der Obstbaum eine Kulturpflanze und muss – um die VITALITÄT des Baumes zu erhalten geschnitten werden. Wer seinen Baum extrem kürzt, muss auch mit extremem Wachstum rechnen. Ob genau das aber dann die richtige Entscheidung war?????


Gut abschneiden kann schon zu viel sein.


Wer gleich die farbige Wäscheklammern erkennt, wird sich bestimmt sofort nach den Sinn fragen. Hier steht ROT für Schnitt und GRÜN für erhalt der Zweige oder Äste.

So lassen sich die oder einige wichtige „Schnittpunkte“ - aus meiner Erfahrung - verständlich sichtbar machen.

 

Zunächst sieht alles recht kompliziert aus. Nur Mut. Erlernen kann man das Schneiden nur beim Tun. Und wenn man den Baum dabei am Anfang auch nicht so "perfekt" hinbekommt, dann ist das nicht schlimm; er wird sich trotzdem – wenn man nicht  beim Schneiden übertreibt - ausreichend Äpfel tragen.

Ich versuche es einmal - mich auf drei wesentliche Schnittregeln zu begrenzen.


Regel 1: Starker Schnitt – stärkerer Zuwachs (weniger kann hier mehr sein) Was habe ich oben im Text gefragt??

 

Regel 2: Blütenknospenbildung und Fruchtansatz müssen ausgewogen am Baum gefördert werden.

Später mehr dazu.

 

Regel 3: Steile (nach oben gerichtete Triebe) haben mehr Wachstum und demzufolge weniger Früchte. Flache (waagerecht wachsende Zweige) „produzieren“ mehr Früchte (das eigentliche Ziel) und weniger Wachstum.

Eigentlich ganz verständlich. Oder?


Welche Gesetzmäßigkeiten sind zu berücksichtigen?


Licht / Sonnenbestrahlung auf die Früchte muss genügend vorhanden sein.

Warum?

  • Zuwenig Schnitt lässt die Triebe verkümmern.
  • Zuviel Schatten sorgt für weniger Farbe auf den Früchten.
  • Fehlende Sonneneinstrahlung sorgt dafür, dass die Äpfel oft säuerlicher schmecken, als in der Sonne befindliche Früchte.

Wer seinen Baum einfach wachsen lässt, sorgt unweigerlich für kleinere Früchte, der Baum verliert an Kraft, die Last der Früchte für die Zweige ist zu groß, Triebe hängen dann nach unten, Neutriebe bilden sich nur schwach aus, eine dichte – nicht geschnittene – Krone sorgt für verstärkten Pilzbefall (Blätter trocknen schlechter ab, der Baum trägt unregelmäßig.

 

Bei eine gut aufgebauten Krone eines Apfelbaumes……

  •  Entwickelt sich das Fruchtholz besser.
  • Bäume bleiben gesünder.
  • Blätter trocknen schneller ab

Sauberes, scharfes Werkzeug verwenden. Warum?


  •  Stärkere Triebe – wenn erforderlich immer direkt am Astring (Wundheilung ist wesentlich besser) mit der Säge entfernen, weil die Schere Quetschwunden verursacht.
  • Stumpfe Werkzeuge sorgen für unnötige Verletzungen an der Pflanze, die den Wundverschluss deutlich verzögert und damit die Pflanze anfälliger für Krankheiten (z.B. Pilzbefall) macht.
  • Bügelbaumsäge
  • Astschere (hält 10 – 20 Jahre) kostet ab € 40,-
  • Hippe (Messer)
  • Kleine oder große Astschere
  • Revolver- Säge (ab € 40,-)
  • KEINE MOTORSÄGE verwenden.

Wie kann man Apfelbäume schneiden?


MERKSATZ: Schwacher Schnitt ergeben oft auch schwache Triebe

MERKSATZ: Schneiden ist angewendeter Pflanzenschutz und sorgt für den Erhalt des Baumes

MERKSATZ: Das Ziel des Schneidens muss vor Beginn festliegen.

 

  • Äste möglichst auf waagerechte Triebe zurückschneiden

Warum?

  • Waagerechte Triebe neigen zur Fruchtbildung.
  • Keine jungen Triebe, die kürzer sind als 15 cm abschneiden
  • Kürzen anderer Triebe auf 20 cm
  • Man schneidet man die Äste, an denen die Triebe für die Äpfel entstehen (Leitäste) auf ein Drittel ihrer Länge ca 1 cm oberhalb einer nach außen zeigenden Knospe ab.
  • Alle Äste, die nicht für den Kronenaufbau benötigt werden im ersten Jahr 1 cm über der Gabelung abgeschnitten. Jeder Nebenast wird um die Hälfte gekürzt.
  • Die Abzweigungen an den Nebenästen werden auf 1 cm zurückgeschnitten.

Was bedeutet der Begriff „Saftwaage“?


  • Bei jüngeren Obstbäumen werden die Leitäste in einer Höhe geschnitten. Die jeweilige obere Knospe bildet an die Saftwaage.
  • Der Rückschnitt darf von der letzten Knospe nicht zu lang, aber auch nicht zu dicht an der Knospe enden.

Was ist ein Lang- oder Kurztrieb?


  • Der Langtrieb zeigt an der Spitze die Terminalknospe und entlang des Stieles die Blattknospen.
  • Auf dem Kurztrieb oder Fruchtholz bildet sich oben die etwas dickere Blütenknospe.
  • MERKSATZ: Blüten und Fruchttriebe müssen im gleichen Verhältnis vorhanden sein, damit sich der Apfelbaum gut entwickeln kann.

Kurze Zusammenfassung.


  • Schaut man sich einen vom Stamm wachsenden Ast (Leitast) an, so lässt sich dieser in mehrere „Abschnitte“ von außen nach innen erklären.Die
  • Astspitze bildet das „einjährige“ Holz. Im letzten Sommer entwickelt. Zu erkennen an flach aufsitzenden Blattknospen. Diese sorgen dafür, dass Blätter gebildet werden. Quasi – die grüne Lunge des Baumes ist das vegetative Wachstum.
  • Dann folgt (an der Astverdickung erkennbar) der zweijährige Trieb. Diese Knospen sind klein und spitzförmig und sorgen für Blüten – ohne Früchte.
  • Der dritte generative Bereich (3-6 jährige Holz) mit oft vielen kleinen Fruchtspießen blüht und bildet die Früchte. HIER WIRD NICHT GESCHNITTEN.

MERKSATZ: Deshalb wird beim Schnitt das vegetatives bewusst Wachstum reduziert, um das generative Wachstum bewusst gefördert. Ein regelmäßiger Schnitt des Apfelbaumes fördert damit das Fruchtholz.




Obstbaum - Schnittkurs mit Johannes Boysen / Niebüll und dem Gartenbotschafter


Fotos: Frauke Buedding


Lesen macht Lust auf mehr Obst


Fotos: John