NDR-Mein Nachmittag


Herbstliche Impressionen - mit Christopher Braun und Gartenbotschafter John Langley®



Fotos: Hilia Marija Höpker


Indian Summer


Wie verwandelt wirken jetzt viele Gärten und Parks. Immer mehr Gelb-, Orange- und Rottöne ersetzen das Grün zahlreicher Laubgehölze. Sie bieten ein Feuerwerk warmer Farben, das besonders an sonnigen, klaren Tagen Spaziergänger und Gartenbesitzer begeistert. An der Ostküste Nordamerikas lockt dieses Schauspiel, der „ Indian Summer ", im Herbst zahllose Touristen an - die Masse herbstfärbender Laubgehölze lässt dort ganze Landstriche goldgelb bis flammend rot leuchten.

 

Warum gibt es eine Herbstfärbung?

Die laubabwerfenden Gehölze bilden im Herbst eine besondere Trennschicht zwischen dem Zweig und dem Blattstiel. Das geht sehr langsam vonstatten. Somit wird die Feuchtigkeitszufuhr (Saftstrom) nicht sofort unterbrochen. Während dieser Phase zieht die Pflanze die "lebenden" Teile des Blattes sowie die für sie wertvollen Aufbaustoffe zurück und lagert sie im Holz ein.

 

Was verursacht die Herbstfärbung?

Xanthophylle und Karotine sind für die gelben und orangefarbenen Blattveränderungen verantwortlich. Die roten Pigmente verursacht das Anthocyan, welches im Herbst durch Stoffwechseländerungen im Blatt entstehen. Die alljährliche Herbstfärbung ist genetisch bedingt. Pflanzen, welche immer grüne Blätter abwerfen, lassen sich durch noch so günstige Bedingungen zu keiner spektakulären Herbstfärbung verleiten.

 

Ist Herbstfärbung beeinflussbar? -

Ja! Ein plötzlicher starker Frühfrost verhindert die Blattfärbung. Herbststürme sorgen dafür, dass Blätter zu früh von den Bäumen fallen. Trotzdem gibt es ein paar natürliche gärtnerische Tricks, wie die Herbstfärbung intensiviert und teilweise auch verlängert werden kann.

· Pflanzen schwach düngen, resp. in magere Böden pflanzen

· Pflanzen eher an sonnigen Lagen pflanzen, als in den Schatten

· Trockene Standorte sind feuchten vorzuziehen, d. h. allfällige zusätzliche Wassergaben zurückhaltend einsetzen

· Windgeschützte Standorte auswählen

· Ältere Pflanzen haben eine ausgeprägte Herbstfärbung als jüngere Botanik.   

Der Indian Summer ist vergleichbar mit unserem Altweibersommer, einer spätsommerlichen Schönwetterperiode, die mit großer Häufigkeit ab Ende September, durch den Oktober, bis Mitte Ende November, auftritt. Der Altweibersommer wird auch oft als "Goldener Oktober" bezeichnet. Mit ihm geht auch bei uns eine prächtige Laubfärbung. Durch die Herbstfärbung ist es möglich mit der „richtigen“ Pflanzenauswahl den Garten, Balkon oder Terrasse attraktiver zu gestalten. Herbstfärbende Pflanzen sind ein gestalterischer Höhepunkt bevor die Winterruhe das optische Bild der Bepflanzungen bestimmt. Die Kombination verschiedener Pflanzen ist relativ einfach, weil die verschiedenen Farbtöne der verfärbten Blätter alle im Bereich von gelb, ocker, orange bis rot liegen. So macht der „Indian Summer“ richtig Spaß.

Auch hier gilt: Die Vielfalt an Pflanzen soll motivieren der Garten zu gestalten. HERBSTzeit ist PFLANZzeit.

Einzelne Pflanzen - Exemplare werden vorgestellt und als Aktion wird die Verwendung von Laub im Garten demonstriert.

 

Was passiert mit dem Laub?

Die Natur hat es so eingerichtet, dass zahlreiche Nährstoffe wieder zurück in Stamm und Wurzel transportiert werden, um sich dort über Winter einzulagern. Doch die Natur ist noch ausgereifter in ihrer Perfektion. Sie sorgt auch dafür, dass nicht alle Stoffe zurückverlagert werden. Mit dem herbstlichem Laub rieselt auch Calcium (Ca) auf den Boden. Dieses ist in den Blattzellwänden festgelegt und dient dort als Stabilisator. Wer deshalb am Boden liegendes wertvolles Herbstlaub beseitigt und vernichtet, sorgt auf Dauer für eine Versauerung des Bodens. (CaCO3 = Kalk Calciumentzug = Kalkentzug = Versauerung) Doch das ist nicht alles. Auch der Hauptpflanzennährstoff Stickstoff (N) wird durch unlogische Sauberkeit biologisch dem Boden entzogen.

 

Und was spricht gegen das Entfernen des Herbstlaubes?

Allgemeiner Nährstoffentzug lebensnotwendiger Makronährstoffe und Spurenelemente. Das lebenswichtige Bodenleben wird nachhaltig verringert (Mikroorganismentätigkeit, Regenwurmaktivität), somit ist der biologische Kreislauf gestört. Notwendiger Verdunstungsschutz wird verringert. Laub sorgt auch dafür, dass der Wasserhaushalt im Boden stimmt und die Gefahr von Kahlfrösten durch Winterschutz verringert wird. Wer seine natürliche Laubisolation beseitigt, verhindert einen geregelten Temperaturhaushalt im Boden und sorgt dafür, dass durch Regen und schmelzenden Schnee verstärkt Erosion- und Auswaschungsgefahr der Bodenoberfläche besteht. Um das Ganze auf eine verständliche Falllaub-Formel zu bringen: Laub = Leben.

 

Wer sein Laub von Wegen, Plätzen und Rasen kompostiert, tut Gutes.

Nur dünne Laublagen oder Laub vermischt mit Grasschnitt oder gehäckseltem Gehölz kann verrotten. Wer hier dick aufträgt, wird schnell merken, dass unter Sauerstoffabschluss jegliche Aktivität erstickt. Das Ergebnis ist dann kein wertvoller Humus, sondern fauliger, stinkender Matsch.

 

Mit Laub mulchen!

Ein Naturwunder scheint es zu sein, wenn auf den Beeten das Laub im kommenden Sommer verschwunden ist. Verantwortlich dafür sind Milliarden von Pilzen und Bakterien. Sie alle zersetzen den "Herbst" zu bester Gartenerde, und Regenwürmer ziehen es in ihre Erdröhren, um davon zu leben.

 

Hintergrundinformationen

 

Ahorn-Arten – Sie gehören zu den schönsten Herbstfärbern. Der bei uns verbreitete Spitzahorn (Acer platanoides) mit seiner schönen goldgelben Herbstfärbung wird sicher für die meisten Gärten zu groß und findet sich meist nur in größeren Anlagen und der freien Natur. Empfehlenswert sind eine Reihe mittelgroß wachsender Arten (6-10 m), wie Feuerahorn (A. ginnala), Zimtahorn (A. griseum), Kanadischer Ahorn (A. rubrum) und der Streifenahorn (A. rufinerve).

· Der Acer rubrum entfaltet eine besonders intensive, tiefrote Färbung, die allerdings nur bei sonnigen Standort und auf leicht sauren Böden voll zur Geltung kommt.

· Für kleinere Flächen und zur Pflanzung in größere Kübel empfehlen sich die schwach wachsenden Sorten von Acer japonicum und Acer palmatum, die je nach Sorte meist nur 1-3 m hoch werden.

 

Amberbaum (Liquidambar styraciflua) - Der Amberbaum ist amerikanischer Herkunft und ist bei uns der Inbegriff des Indian Summer. Der Amberbaum kann durchaus 15 m und höher wird. In den ersten Jahren ist der Amberbaum gut im Kübel zu halten, muss allerdings spätestens nach 4-5 Jahren ausgepflanzt werden. Ab Anfang Oktober ändert sich die Laubfärbung von grün über gelb nach violett. Im Spätherbst steht der Baum in tiefvioletten Flammen - er ist daher ein klassisches Solitärgehölz!

 

Essigbaum (Rhus typhina) - Er gehört zu den unverwüstlichen, anspruchslosen Sträuchern im Garten, der allerdings auch einiges an Raum benötigt. Besonders empfehlenswert ist die Sorte Rhus typhina 'Dissecta', die sich auch für kleinere Gärten eignet und besonders schönes geschlitztblättriges Laub hat. Die Herbstfärbung variiert von gelborange bis scharlachrot. Über Winter zeigen sich die Früchte als aufrechte Kolben an den Triebenden.

 

Felsenbirne (Amelanchier) - Hier gibt es drei Arten A. laevis, A. lamarckii und A. ovalis. Am bekanntesten ist die Kupferfelsenbirne (A. lamarckii).

Die Kupfer-Felsenbirne stammt aus dem Nordosten der USA und findet sich heute wegen seiner vielen positiven Eigenschaften in sehr vielen Gärten. Dieser Großstrauch, meist mehrstämmig wächst ca. 5-8 m hoch. Das Laub ist im Austrieb kupferrot, über Sommer grün und wechselt im Herbst in eine prächtige orangerote Färbung. Die Felsenbirne ist ein wertvoller Frühlingsblüher (April), der essbare, saftige, blauschwarze Beeren hervorbringt.

 

Ginkgo / Fächerblattbaum (Ginkgo biloba) - Der Gingo ist eine der ältesten Gehölzarten der Erde (seit rund 200 Millionen Jahren). Ginkgo-Arten waren bis vor 30 Millionen Jahren in Europa heimisch, wurden aber durch die Eiszeit in die Bergwälder Asien zurückgedrängt. Am schönsten ist das Laub im Spätherbst, wenn das reine Gelb alle anderen Herbstfarben in den Schatten stellt. Der Fächerblattbaum ist äußerst anspruchslos und robust und gedeiht selbst auf Problemstandorten. Er wird mit 20-30 m leider sehr hoch und erreicht ein Alter bis 1000 Jahre.

 

Hartriegel-Arten (Cornus ssp) - Die Gattung Cornus ist in der Verwendung für den Garten unglaublich vielfältig. Besonders spektakuläre Bilder bietet uns der Sibirische Hartriegel (Cornus alba 'Sibirica'), der auch noch nach dem Laubfall im Winter mit seiner auffallend roten Rinde einiges zu bieten hat. Der japanische Blumenhartriegel (Cornus kousa var. chinensis) zeigt ebenfalls ein scharlachrotes Herbstkleid.

 

Korkspindelstrauch (Euonymus alatus) - Der Korkspindelstrauch, auch als geflügeltes Pfaffenhütchen bekannt, bietet eine recht früh einsetzende, aber nicht minder intensive Herbstfärbung. Das Gehölz bleibt mit 2-3 m recht klein und ist ideal zur Pflanzung in den Vorgarten oder auch zur Kübelbepflanzung. Nach dem Laubfall kommen die auffälligen, bis 4 cm breiten Korkleisten zu Tage, die das Kleinod auch im Winter zum interessant erscheinen lassen. Das gewöhnliche Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) und der Sachalin-Pfaffenhut (Euonymus planipes) bilden ebenfalls prächtigen Herbtschmuck, sie werden aber deutlich größer (bis 6 m) und haben keine Korkleisten.