NDR-Mein Nachmittag


Grabbepflanzung auf dem Ohlsdorfer Parkfriedhof - mit Christopher Braun und Gartenbotschafter John Langley®



Copyright / Fotos: Hilia Marija Höpker

Schönheit des Parks


Und nun bin ich wieder hier, erst vor einigen Wochen hatte wir hier einen ganz wunderbaren Event, der Anlass: Tag des Friedhofes. An diesem Tag wollen wir nun ganz im Zeichen der Zeit - der Tage Allerheiligen und Allerseelen - eine Zeit wo sich die Natur langsam zurückzieht und es stiller wird - und doch auch - bedingt - durch unsere gärtnerischen Möglichkeiten - ganz wunderbare Farben hervorbringt.

 

Wie immer ab 16 Uhr wenn die Sendung beginnt, dann ist das NDR-Team schon vor Ort und vielleicht auch Ihr? Hier sind die Bilder - einfach einige Impressionen von dem Park, von Gräbern und unserer Sendung. Wir waren vor dem Friedhof und die Bilder zeigen die Schönheit des Parks, einige Gräber und dann natürlich Teile der Sendung. Viel Spaß.


Der Friedhof lebt


Ein gepflegter Eindruck der Grabanlage ist wichtig, weil sie als Ort der Erinnerung an den Verstorbenen dient. Durch die Pflege des Grabes sowie durch Blumen und Gedenkzeichen können Sie symbolisch ihre Verbundenheit mit dem Toten ausdrücken. Die Gestaltungsmög- lichkeiten sind groß, auch wenn sie von einigen Friedhofsregelungen und der meist kleinen Fläche eingeschränkt werden. Die Auswahl an Grabpflanzen hängt von der Jahreszeit ab.


Symbolik der Grabpflanzen


Buchsbaum:

Jenseits, ewiges Leben, immergrüne Zweige sind Symbol der Unsterblich- keit und treuer Liebe über den Tod hinaus

Chrysantheme:

Liebe über den Tod hinaus.

Rose:

Liebe, Vergänglichkeit, Tod, Über- windung

Stiefmütterchen:

Erinnerung

Immergrüne Pflanzen:

Kraft und ewiges Leben

Eiben: Zeigen den Weg ins Jenseits.

Kränze: Sind Anzeiger für den „Kreislauf des Lebens“.


Ökologie -Friedhof


Jeder sollte dazu beitragen, die Öko- logie des Friedhofs zu erhalten:

  • Keine Herbizide (Unkautbesei-tiger) einsetzen.
  • Bevorzugt Rindenhumus oder Kompost (kein Torf) verwen- den.
  • Möglichst verschiedene Ge- wächse aufs Grabpflanzen.
  •  Keine künstlichen Blumen und Pflanzen sollten das Grab schmücken
  •  Floristen oder Gärtner sollten KEINE technische Arbeitshilfen aus umweltunfreundlichen Kunststoffen verwenden.
  • Trauerschleifen aus Natur-produkten wie Baumwolle, Leinen oder Seide auswählen.
  • Gräber nicht mit Steinplatten versiegeln lassen. Am besten nur Schrittplatten verwenden.

Bepflanzung


Die Gestaltungsmöglichkeiten sind groß auch auf kleinen Flächen. Besonders Wechselbepflanzungen liegen im Trend. Fürs Frühjahr sind Stiefmütterchen, Frühlingsprimeln und Tausendschönchen geeignet. 

 

Die Palette der bereits vorgetrie- benen Zwiebelblüher im Fach- handel ist sehr umfangreich. Von Perlhyazinthe (Muscari) und Blausterne (Scilla) über Hyazinthen und Tulpen bis hin zu Iris reicht beispielsweise das Zwiebelblumen-sortiment. Nach und nach blühen dann die ersten attraktiven Frühlingsstauden wie Akelei, Schö- terich (Erysimum), Wolfsmilch, Schaumblüte (Tiarella) oder Gems- wurz.

 

Unser Frühlings-Herz aus Narzissen wurden im November gesetzt.


Pflegeleichte Bodendecker


Ein wenige Pflege benötigt die unterschiedlichsten bodendeckenden Pflanzen schon. Ich habe deshalb hier einige "pflegeleichtere" Botanik zusammen gestellt. Tipp:  Man schaut sich auf dem Friedhof um, so kann man entdecken - was bereits dort oder dort wächst.

Das immernoch sehr beliebte Efeu wird für mich beispielsweise erst zum idealen bodenbedeckenden Gehölz, wenn man ihn flach kriechen lässt. Das sind die eigentlichen sogenannten

Bodendecker. Generell erwartet man von ihnen noch mehr.  Oft sollen sie auch hoch oder nur niedrig wachsen.  Ein oft gehörter Wunsch. "Dass unter ihnen Unkraut oder Wildkraut oder Spontan Botanik keine Chance zum Wachsen hat und bekommt.

Natürlich sollen Bodendecker anspruchslos sein. Sie sollen im Schatten gut gedeihen, Ausdauer zeigen und - wie gesagt - ohne Pflegemaßnahmen viele Jahre wachsen und gedeihen.


Wie wäre es mit einer "Allroundpflanze"in diesem Bereich?


Alle Cotoneaster (Zwergmispel) wachsen in Sonne wie Schatten gleich gut und stellen keinerlei besondere Bodenansprüche. Hier einige immergrüne Polsterpflanze, sehr dichte Bodendecker mit schnellem Wachstum - sozusagen die "Grüne Haut" der Erde. Viele dieser Bodendecker haben einen "hautengen", deckenden Kontakt zur Erde. Ihre Triebe liegen flach oder bogig auf, sprießen unverzweigt aus feinem Wurzelgeflechte oder schlagen Wurzeln aus bodenaufliegenden Trieben. Sie krallen sich in die Erde, halten sie Wurzeln und Trieben zusammen und verteidigen den Boden gegen austrocknende Sonne sowie Winderosion.

Einige Arten wie Heide, Latschen-Kiefer und Schattengrün bringen diese Eigenschaften von ihren natürlichen Standorten mit. Im Garten wachsen die Zwergsträucher zu einer pflegeleichten, feuchtigkeitspeichernden und mehr oder weniger laubschluckenden Gesellschaft zusammen.

Großflächige "grüne" Matten, z.B. aus verschiedenen Heide-Arten, flachem Wacholder und Gräsern brauchen auf mageren Böden weniger Pflege, sind vitaler, werden älter und wirken natürlicher. Heidepflanzen schneidet man am besten alle zwei Jahre; bei größeren Flächen eignet sich die Heckenschere.

Wie wäre es mit folgenden "SCHATTENverträglichen........

Buxus sempervirens 'Blauer Heinz' - immergrüner Zwergstrauch, dichtbuschig, glänzend dunkelgrüne Blätter, zur Einfassung oder flächig zu verwenden, schnittverträglich. 'Blauer Heinz' ist das Juwel der Buchssorten. Liebt Sonne und verträgt Schatten.

Cotoneaster dammeri 'Streibs Findling' - Zwergstrauch, langsam wachsend, Zweige auf dem Boden liegend, rot fruchtend, Frosthärte im allgemeinen gut, 10-15 cm, Sonne bis Halbschatten.

Cotoneaster dammeri var. radicans - Niederliegend, ganz besonders wichtiger Bodendecker, kriechend immergrün, für Grabbepflanzungen Böschungen und Steingärten; verträgt regulierenden Schnitt, industriefest, gut flächendeckend, 10-15 cm hoch, gut frosthart.

Euonymus fortunei 'Gracilis' - Weiß gerundete Form, Herbstfärbung rosa/rot. Mindestens zwei Rückschnitte im Jahr, niederliegender Strauch, immergrün, Flächen und Böschungsbegrünung, Sonne bis Vollschatten.

Euonymus fortunei 'Minimus' - Zwergstrauch, kleine rundliche Blätter, ø 1,5 cm, Einzelpflanze bis 20 cm hoch, Hecken, flächige Pflanzungen dicht mattenförmig wachsend, in hohem Maße schattenverträglicher Bodendecker, für kleine Flächen.

Euonymus fortunei radicans - Grün gerundete Form, Herbstfärbung rosa/rot. Mindestens zwei Rückschnitte im Jahr, niederliegender oder an Wänden empor kletternder Strauch, immergrün. Für Flächen- und Böschungsbegrünung. Sonne bis Vollschatten.

Hedera helix - Immergrüner kleinblättriger Strauch, der kriecht oder klettert an eigenen Haftwurzeln, normale Waldform, Schattenpflanze, verträgt keine volle Wintersonne, Bodendecker für Schattenanlagen.

Hedera hibernica ovata - Immergrün, herzblättrige Form , wächst schwach ,bleibt flach.

Hedera hibernica - Immergrün , stark wachsend, großblättrige Form. Nur für große Flächen geeignet. Nicht so frosthart wie der helix, Bodendecker für Schattenanlagen.

Lonicera pileata - Wichtiger Bodendecker für halbschattige Lagen, wird 40 - 50 cm hoch.

Mühlenbeckia axillaris - Absolut flach, 3 bis 5 cm, winterhart, allerdings nicht für Hochlagen, sehr kleinblättrig, bildet Wurzelausläufer, sommergrün, schließt Flächen sehr schnell.

Ophiopogon convallaris 'Dwarf Mondo' - Für schattige Lagen, frostempfindlich immergrün, sehr schön

Pachysandra terminalis - Immergrün, voll schattenverträglich und für trockene Standorte, langsam wachsend, Wuchshöhe 20 bis 30 cm. Unterirdisch Ausläufer bildend, benötigt lockere Böden, frosthart, selten Spätfrostschäden.

Pachysandra terminalis 'Compacta' - Sehr schön, langsamer wachsend als die Art; gleichwertiger Ersatz für 'Green Carpet', bleibt bedeutend flacher als die Art, weniger spätfrostempfindlich.

Vinca minor - Immergrün, 8/12 Triebe. Dauerhafter Bodendecker für größere Flächen, frosthart in schattigen Lagen, empfindlich gegen Bodenverdichtung, Wuchshöhe 10-30 cm, nicht schneiden.

Waldsteinia ternata - Flache, immergrüne Bodendecker, Staude 10 cm. Winterhart, wächst flächig, mit kriechenden Ausläufern. Wüchsiger Bodendecker zwischen und vor Gehölzen, für schattige Lagen genauso geeignet wie für sonnige, bei genügend Wasser.


Zeit der Besinnung


Der jahreszeitliche Umbruch in der Pflanzenwelt macht eindrucksvoll die Vergänglichkeit allen Lebens bewusst.


Es ist die Zeit, sich Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken, dass diese dunklere Jahreszeit mit seinen Gedenktagen ganz im Zeichen des Erinnerns und der Anteilnahme steht. Im Laufe der Jahrzehnte sind von Gärtnern und Floristen eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten entwickelt worden, die dem Verlangen anspruchsvoller Verbraucher nach individueller, umweltfreundlicher und dekorativer Grabgestaltung und Grabschmuck in hohem Umfang gerecht werden.


Winterschmuck auf Gräbern


Eine dekorative Winterabdeckung aus gesteckten und gelegten Tannen- oder Fichtenzweigen hat eigentlich nur schmückende Aufgaben. Wo es dennoch erforderlich ist - mit Tanne oder Fichte - besonders empfindliche Bodendecker auf dem Grab vor strengem Frost zu schützen, macht eine Eindeckung Sinn.


Häufig werden auch gern Zweige der beliebten Nordmannstanne Abies nordmanniana oder der Blaufichte Picea pungens verwendet. So lassen sich (vom Friedhofsgärtner) mit unterschiedlichen Strukturen und Färbung der Nadeln optisch sehr interessante Wirkungen erzielen. Wer es "nur" ganz einfach abgedeckt oder seine darunter wachsende Natur geschützt haben möchte kann bereits mit der grünen Rotfichte (Picea abies) viel erreichen.


ACHTUNG: Schnittkoniferen sollen auf dem Grab lange optisch attraktiv ausschauen, sprich sie dürfen nicht schon nach kurzer Zeit ihre Nadelförmigen Blätter verlieren. Wer zu früh seine "Tanne" verarbeitet hat, wird sich in diesem Jahr möglicherweise über die Qualität ärgern. Weil der Herbst auch im Norden Europas sehr mild war halten die "Nadeln" nicht immer ausreichend lange.


Die immergrünen Nadelgehölze brauchen unbedingt zwei, drei Nächte frostige Temperaturen, um genügend "auszureifen". Was zu früh geschnitten wurde lässt auch früher die Nadeln fallen. Je jünger der Schnitt, desto besser die Qualität der Ware. Am besten fragt man seinen Gärtner oder Floristen nach dem Schnitttermin.


Was ist noch zu tun?


Noch ist der Boden (in diesem Jahr) warm genug um Koniferen, Gehölze, Stauden aufs Grab zu pflanzen. Wer all diese gärtnerischen Arbeiten lieber vom Profi ausführen lassen möchte, kann beim Friedhofgärtner/in auch die Befreiung des Grabbeetes von Laub, Äste, Unkraut, rechtzeitige Düngung der Pflanzen, den fachlichen Schnitt der Pflanzen (Wuchsverbesserung, Sicherheit) mit in Auftrag geben. 


Gräber sind Spiegelbilder einer Gesellschaft.


Aktuelle Branchendaten: Friedhofsgartenbau

Friedhöfe 32.000 Gräber davon mit Blumen geschmückt ca. 32 Millionen

80% Beschäftigte in Friedhofsver- waltungen 30.000 in Gärtnereien 20.000 Auszubildende 550

Betriebe, die schwerpunktmäßig friedhofsgärtnerische Tätigkeiten ausüben (gesamt) 2.200 Betriebe, die auch friedhofsgärtnerische Tätigkeiten ausführen 7.000

Gesamtvolumen friedhofs- gärtnerischer Leistungen (Grabanlage und -pflege, Wechsel­pflanzung, Trauerdekoration und Grabschmuck) 1,76 Mrd. Euro

Dauergrabpflege. Anzahl Verträge 248.856 durchschnittliche Laufzeit 14 Jahre - Stand: Januar 2012

Quelle: Bund deutscher Friedhofs- gärtner im Zentralverband Garten- bau e.V., Bonn